

Das anschauliche Beispiel des Beginenhofes Essen, einem Generationen übergreifenden Wohnprojekt von Frauen und Kindern, ist Ausgangspunkt für eine Diskussion über veränderte Wohnanforderungen der schrumpfenden, älter und ethnisch bunter werdenden Gesellschaft.
Wie reagiert die Wohnungswirtschaft auf die sich ändernden Nachfragergruppen? Ist der Bau von Wohnanlagen mit den Attributen „Servicewohnen“ oder „Betreute Altenwohnungen“ die einzige Antwort auf eine alternde Bevölkerung? Werden die Anforderungen anderer ethnischer Gruppen berücksichtigt, bzw. unterscheiden sich deren Anforderungen überhaupt von der der Deutschen? Wie kann der klassische Wohnungsbestand auf die neuen Anforderungen hin qualitätvoll umgebaut werden, und welche planungsrechtlichen Probleme stellen sich?
17.00
Führung/Treffpunkt: Eingangshalle des Beginenhofes, Goethestraße 63-65 (Nähe Folkwang-Museum)
Begrüßung
Christiane Voigt, Vorsitzende des BDA Essen
Gemeinsamer Rundgang durch den Gebäudekomplex, das 2007 umgebaute ehemalige Finanzamt Essen-Süd. Führung durch eine Vertreterin des Beginenhof Essen e.V.
Information: www.beginenhof-essen.de
18.00
Podiumsgespräch
Ausklang bei Gesprächen und Imbiss
Anmeldung bis zum 03.11.09: Tel. 0201.61 61 98 85 (Forum Kunst + Architektur) oder voigt@contur2.de
Ort:
Beginenhof Essen e.V., Veranstaltungsraum im 3. OG, Goethestr. 63-65, 45130 Essen
Weniger. Älter. Bunter … anders wohnen.
10.11.2009
Das Beispiel des Beginenhofes Essen, einem Generationen übergreifenden Wohnprojekt von Frauen und Kindern, ist Ausgangspunkt für eine Diskussion über veränderte Wohnanforderungen der schrumpfenden, älter und ethnisch bunter werdenden Gesellschaft.
Zur Führung durch das Gebäude, dem ehemaligen Finanzamt Essen-Süd aus den 1920er Jahren, und zur Diskussion waren 60-70 Gäste gekommen.
Im Beginenhof wohnen derzeit 37 Frauen zwischen 25 und 83 sowie 4 kleine Kinder. Alle sind Deutsche, 4 ungarischer Herkunft. In ethnischer Hinsicht ist die Gruppe also sehr homogen.
Das Bestandsgebäude wurde von Privatinvestoren gekauft und umgebaut. Ein Teil der Wohnungen erhielt öffentliche Fördermittel, so dass sich eine sozial gemischte Bewohnerinnenstruktur ergeben hat, was bei einer Kaltmiete von 8,50 Euro, Nebenkosten und weiteren Nebenkosten für die gemeinsam genutzten Flächen sonst nicht möglich gewesen wäre.
Neben den Wohnungen gibt es gewerblich genutzte Räume (untervermietet), Apartments für Betreutes Wohnen (externer Betreiber), Veranstaltungsräume und ein Café. Die Mieter haben jeweils Einzelmietverträge, nur die gemeinsam genutzten Flächen werden gemeinsam gemietet und unterhalten.
Das Zusammenleben mehrerer Generationen gehört zum Konzept und funktioniert im Beginenhof anscheinend. Wie in der Diskussion von mehreren Teilnehmern, insbesondere den Vertretern der Wohnungsgenossenschaften, hervorgehoben wurde, ist es aber eine große Herausforderung. Insbesondere harmoniere die Nachbarschaft von alten und sehr jungen Menschen nur selten gut, da alte Menschen sich häufig von Kindern gestört fühlen, auch wenn sie selbst Kinder gehabt haben.
Winfried Zysk, Vorstand der Wohnbau eG Essen, führte aus, dass die Bestände bereits seit langem den sich ändernden Anforderungen angepasst und modernisiert werden. Dies sei schon aus Vermarktungsgründen erforderlich, denn es gebe ja keinen Wohnungsmangel. In Essen stehen ca. 23.000 Wohnungen leer.
Dr. Dietrich Goldmann, ehemals Vorstand der Essener Allbau AG, bekräftigt die Anpassungsfähigkeit des Wohnungsmarktes. Die derzeitige Diskussion biete die Chance, über neue Konzepte nachzudenken. Die Schrumpfung der Bevölkerung im Ruhrgebiet könne für eine Qualitätsoffensive genutzt werden. Die Reduzierung des Flächenverbrauchs sei ohnehin notwendig. Das eigentliche Problem sieht er nicht im „Weniger. Älter“, sondern im „Bunter“.
Dr. Stefan Hochstadt von der FH Dortmund sieht das Beginenhof-Konzept als gut und „marktfähig“ an, weist aber auf darauf hin, dass es vorerst nur für sehr wenige Menschen akzeptabel sei. Bisher lebe nur 1% der Bevölkerung in alternativen Wohnformen.
Zum Thema „Buntheit“ führt Hochstadt aus, dass dies im Ruhrgebiet nichts Neues sei, sondern die Region immer schon geprägt habe. Im übrigen hätten andere Städte und Regionen, insbesondere im süddeutschen Raum (Stuttgart, München) einen wesentlich höheren Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund (Stuttgart 40%, Ruhrgebiet 25% im Durchschnitt). Allerdings gebe es hier einzelne Stadtteile, wo der Anteil außerordentlich hoch sei, und insgesamt steige er an. Hier gäbe es nur ein „Rezept“: Bildung. Segregation werde oft sehr einseitig gesehen. Die am stärksten davon geprägten Stadtteile seien nicht solche wie Essen-Katernberg u.ä., sondern Bredeney.
Zyst weist darauf hin, dass Segregation in der Stadt und im Wohnumfeld etwas Normales sei. Die Menschen fühlten sich wohler, wenn sie sich nicht so sehr von ihren Nachbarn unterschieden. Erst wenn andere Probleme hinzukämen, werde das Gleichgewicht gestört.
Der Beginenhof wird als vorbildliches Projekt im Sinne der Umnutzung eines Bestandsgebäudes, des energiesparenden Umbaus und der Ermöglichung neuer Wohnformen angesehen.
Der Umbau des klassischen Wohnungsbestandes für neue Wohnformen sei oft teuer und schwierig. Bürobauten seien dafür oft besser geeignet. Um die Nachfrage nach Wohnungen in Zukunft Aber auch der Abriss sei in Betracht zu ziehen, wo sich der Umbau nicht lohnt.
Ansprechpartnerin: Christiane Voigt
Mathildenstr. 29
45130 Essen
Tel. 0201.79 46 84
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