

in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Düsseldorf und der Heinrich-Heine-Gesamtschule
Bunte Vielfalt auf Düsseldorfer Plätzen. Schüler arbeiten am Stadt-Raum der Zukunft.
Die Heinrich-Heine-Gesamtschule in der Graf-Recke-Straße stellt mit ihrem hohen Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund eine Art Zukunftslabor für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung dar. In einem vom BDA Düsseldorf initiierten und begleiteten Projekt setzen sich die Schüler fächerübergreifend - im Kunst- und im Deutschunterricht, im sozialwissenschaftlichen Unterricht - mit der Frage auseinander, ob die Tatsache, dass unsere Gesellschaft zunehmend „bunter“ wird, Einfluss auf die Gestaltung des öffentlichen Raumes hat oder haben soll.
Zwei Düsseldorfer Plätze stehen im Fokus: der Dorotheenplatz in Flingern und der Platz vor den „Düsseldorf Arcaden“ in Bilk.
Wie werden sie genutzt? Welche Veränderungen wünschen wir uns? Welche Erlebnisse erhoffen wir uns von diesen öffentlichen Räumen? Werden Plätze und öffentliche Räume in unseren Heimatländern anders genutzt? Wie könnten die Düsseldorfer Plätze umgestaltet werden, damit wir uns dort wohlfühlen?
16.00 bis ca. 18.00
Präsentation der Arbeitsergebnisse und Aktionen im öffentlichen Raum
Ort: Vorplatz der Düsseldorf Arcaden, Düsseldorf-Bilk
19.00
Abschlusspräsentation und Diskussion
Begrüßung und Einführung
Bruno Braun, Vorsitzender des BDA Düsseldorf
Vorstellung der Arbeitsergebnisse und Entwürfe der Schüler
Podiumsdiskussion
Düsseldorf, eine multikulturelle Stadt mit Lebensqualität auf Straßen und Plätzen. Was können wir tun?
Mit Vertretern der Stadt Düsseldorf, des BDA und Schülern/Lehrern der Heinrich-Heine-Gesamtschule
Einbeziehung des Publikums
Ausstellungseröffnung
Anschließend Eröffnung der Ausstellung der Schülerarbeiten in den Projekträumen des Stadtmuseums (bis 13.12.2009)
Geselliger Ausklang bei Getränken
Ort:Stadtmuseum Düsseldorf, Berger Allee 2, 40213 Düsseldorf
Bunte Vielfalt auf Düsseldorfer Plätzen – Schüler arbeiten am Stadt-Raum der Zukunft
Veranstaltungen des BDA Düsseldorf am 6.11. und 13.11.2009 / Abschluss des Schulprojektes 2009
Der BDA Düsseldorf setzte seine Tradition der Zusammenarbeit mit Düsseldorfer Schulen auch im Rahmen der Reihe „Weniger. Älter. Bunter“ fort.
Die Heinrich-Heine-Gesamtschule in der Graf-Recke-Straße stellt mit ihrem hohen Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund eine Art Zukunftslabor für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung dar. Die Schulleiterin Luise Hoffmann-Briel war für eine Zusammenarbeit mit dem BDA – federführend Matthias Pfeifer – sofort bereit. Bereits vor den Sommerferien 2009 begannen sich mehrere Klassen im Kunst-, Deutsch- und sozialwissenschaftlichen Unterricht bzw. Fächer übergreifend mit verschiedenen Aspekten des Themas zu beschäftigen. Die reichhaltigen Ergebnisse, an denen fast 150 Schülerinnen und Schüler mitgearbeitet hatten, wurden im Einkaufszentrum „Düsseldorf Arcaden“ und dessen Vorplatz sowie für drei Wochen im Stadtmuseum, das das Projekt unterstützte, präsentiert und diskutiert.
Abschlussbericht der Schule
„An unserer Schule leben Menschen aus mehr als 20 Herkunftsländern in der Regel friedlich zusammen. Zwar gibt es immer wieder auch Veranstaltungselemente, die die Eigenheiten der verschiedensten Traditionen und Sprachen hervorheben, doch unsere pädagogischen Bemühungen sind in erster Linie auf Integration gerichtet, nicht auf Abgrenzung.
Deshalb war der Ansatz des BDA für uns spannend: Wie gehen unsere Schülerinnen und Schüler mit dem Thema ‚Gestaltung des öffentlichen Raums’ um, wenn ausdrücklich erwünscht ist, die Vorstellung anderer Kulturen, Traditionen, Nationalitäten einzubeziehen?
Schon in der ersten Sammelphase vor den Sommerferien entstanden Ideen, die uns aber etwas irritierten: In fast allen Plänen fanden sich die gleichen Vorschläge: Sitzgelegenheiten, Repräsentanten von Natur wie Blumen oder Bäume und Wasserstellen, vorzugsweise Brunnen, dazu kamen meist Spielgelegenheiten für Kinder und hinreichend Möglichkeiten zur Müllentsorgung. Dies fand sich entweder vollständig oder in Teilen in fast allen Plänen, zusätzlich entstand nur ein ‚Haus der Kulturen’ und ein Platz für Skater.
Was zunächst noch für einen Ausdruck der Reproduktion von Bekanntem gehalten werden konnte, musste aber doch differenzierter wahrgenommen werden: Das Bild bestätigte sich bei der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern in allen Kursen genau so wie bei der Befragung von Menschen in der Öffentlichkeit.
Die Schülerinnen und Schüler, die Gestaltungsideen in Pläne umsetzten, arbeiteten in Gruppen mit unterschiedlichen ethnischen Hintergründen zusammen, Elemente eines solchen Hintergrunds gehen aber nur sparsam in Ideen etwa für eine Säulengestaltung (Anm.: Die Stützen der Bahnunterführung an den Bilker Arcaden wurden mit selbst gemalten Plakaten verkleidet) ein. Sicherlich machen muslimische Schüler ornamentale Gestaltungsvorschläge und greifen keine Ideen für eine Personendarstellung auf, aber Ornamente werden völlig problemlos von einer Schülerin mit türkischem Migrationshintergrund und einer mit polnischer Herkunft gemeinsam entwickelt. Die von Schülerinnen und Schülern gestalteten Sitzmöbel (Anm.: für den öffentlichen Raum) betonen eher Verbindendes und möchten bewusst Anlass für Integration sein: Ein Stern ermöglicht es, auf den Zacken zu sitzen, aber die gemeinsame Mitte betont die Zusammengehörigkeit des Gebildes.
Die erste Folgerung, die wir aus der Arbeit ziehen können, ist zunächst einmal: Die Menschen, mit denen wir zu tun hatten, seien es Schülerinnen und Schüler, seien es Passanten, wünschen sich nicht vordringlich Elemente ihrer Kultur im öffentlichen Raum, um sich heimischer zu fühlen. Hier wäre noch nach Ursachen zu fragen: Ist das Ausdruck der Globalisierung im Kulturbereich? Bedeutet das fehlende Verbindung zu den eigenen Wurzeln als Mitglied der zweiten Generation? Oder handelt es sich um die Projektion von Erwartungen auf Lehrer und Interviewer?
Sie wünschen sich vielmehr Gelegenheiten zum Ausruhen und zur Begegnung.
Eine Beobachtung, die wir in der Schule machen, ist allerdings die, dass Freundschaftsgruppen häufig in erster Linie zwischen Angehörigen der gleichen Ethnien entstehen und Kommunikation dort am intensivsten zu sein scheint. Die Schülerinnen und Schüler relativieren diese Beobachtung gerne, weil das nicht ihr Ziel und ihr Selbstbild ist. Sie möchten das eigentlich nicht, sie möchten Integration und Gemeinsamkeit. Wenn wir unterstellen, dass das nicht nur auf Schülerinnen und Schüler zutrifft, dann ergibt sich daraus ein klarer Auftrag für alle, die mit Stadtplanung zu tun haben und Stadtplanung auch als in die Zukunft gerichteten gesellschaftlichen und politischen Integrationsauftrag verstehen: Der öffentliche Raum muss Gelegenheiten zur Begegnung schaffen und Anlässe, zu denen man sich dann auch in national und ethnisch gemischten Gruppen begegnet.
Und diese Folgerung gilt nicht nur für die Stadtplanung: Sie gilt für die Schulpolitik insgesamt und sie gilt auch für unsere konkrete Schule.
Insofern war die Teilnahme an diesem gemeinsamen Projekt für die teilnehmenden Schüler und Schülerinnen wie Lehrer und Lehrerinnen insgesamt ein Gewinn: Es ging um anspruchsvolle Ziele und Aufgaben, die Arbeit hatte einen Ernsthaftigkeitscharakter, den schulische Lernaufgaben nicht immer haben, gefragt war außer fachlichem Können und Einsatz auch Zuverlässigkeit und Kooperationsfähigkeit. Es gilt zu fragen, was wir und was die Schülerinnen und Schüler geleistet haben und wo es noch deutlichen Lernbedarf gibt.
Und es war nicht zuletzt ein Gewinn für die Schule, auf die Frage der kulturellen Integration noch einmal einen genaueren Blick zu werfen. Auch Schulraum ist im weiteren Sinne öffentlicher Raum. Gestalten wir ihn ‚bunt’ genug?“
Ansprechpartnerin: Beatrix Mohri-Diedrich
Hansaallee 321
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